• The Deer Hunter

    TheDeerHunter

    Eine schäbige Industriestadt in Pennsylvania. Nick und Michael feiern die Hochzeit ihres Freundes Steven und genießen ihre Freiheit: Ein letztes Mal geht es in die Berge auf die Jagd ... Schon am nächsten Tag werden die drei zum Kriegsdienst nach Vietnam eingezogen. Dort erwartet sie die Hölle. Nach erbarmungslosem Kampf werden die drei im Dschungel gefangengenommen. Ihre Aufseher spielen mit den Gefangenen ein sadistisches Spiel: Russisches Roulette. Michael sieht nur eine Fluchtmöglichkeit. Er schlägt den Vietkong eine noch tödlichere Variante vor ...

    "The Deer Hunter" ist einer der Filme, bei denen ich nicht so recht weiß, was ich mit ihren anfangen soll. Denn irgendwie ist er nichts Halbes und nichts Ganzes.

    Ich denke, irgendwie soll darin gezeigt werden, wie der Krieg die drei Männer verändert und größtenteils zugrunde richtet. Dafür wird aber die Brutalität des Krieges irgendwie nicht krass genug dargestellt. Michael Cimino ver(sch)wendet sehr viel Zeit auf die Vorstellung der drei Männer und der Gemeinschaft in der sie leben. Dann sind sie kurz im Krieg und schon zeigt er die Folgen. Das ist alles ein wenig schnell, und das obwohl der Film mit ca. 175 Minuten doch recht lang ist.

    Wenn das ein (Anti-)Kriegsfilm sein soll, dann habe ich das schon besser gesehen ...

  • Wolfsblut

    Wolfsblut

    Unter dem Schutz seiner Mutter wächst der Welpe Wolfsblut - halb Hund, halb Wolf - in der kanadischen Wildnis auf, bis er von Indianern eingefangen und gezähmt wird.

    Aber dann verkauft ihn sein Besitzer an einen brutalen und skrupellosen Weißen, der Wolfsblut für Hundekämpfe abrichtet. Wolfsblut lernt nun die Menschen von ihrer grausamsten Seite kennen und wird zum gnadenlosen Kampfhund. Bis er einen neuen Herren findet, der ihm Verständnis und Zuneigung entgegenbringt ...

    Jack London, dessen realistische Abenteuerromane seit Generationen zahllose Leser in ihren Bann ziehen, hat einen mitreißenden Tierroman geschrieben, der seinesgleichen sucht.

    Mit Jack London konnte ich noch nie allzuviel anfangen, und auch sein "Wolfsblut" hat mich jetzt nicht vom Hocker gehauen. Zum einen geht es mir mit dem Buch ein wenig wie mit "Black Beauty": Ich kann mit Hunden nicht so viel anfangen (bin ein Katzen-Mensch) und eine Geschichte, die sich hauptsächlich um Hunde dreht, finde ich einfach nicht sonderlich spannend.

    Zum anderen ist mir nie so recht klar geworden, was der Autor mit seinem Buch eigentlich bezweckt. Für eine Abenteuergeschichte ist es irgendwie nicht abenteuerlich genug. Und um ein Plädoyer gegen die Quälerei von Hunden zu sein (wie ja "Black Beauty" im Bezug auf Pferde), ist es nicht offensichtlich genug. So plätschert die Handlung dahin, und zumindest mir war es irgendwie auch egal wie sie ausgeht.

    Das einzige, das man London zugute halten kann ist die Tatsache, daß er wirklich weiß, wovon er spricht. Wenn man die Stationen seiner Lebensgeschichte durchliest, dann sieht man gleich, daß er wirklich DA war und alles gesehen hat, wovon er schreibt. Das macht das Buch nicht besser, aber zumindest ist es eine authentische Abbildung damaliger Lebensrealität. Und das ist doch auch schon was ...

  • 7 Kilo Zeit

    7KiloZeit

    "7 Kilo Zeit" von Rumjana Zacharieva erzählt von der 12jährigen Mila, die bei ihrer Großmutter mütterlicherseits lebt, weil die Stadtwohnung ihrer Eltern zu klein ist. Man erlebt das ländliche Bulgarien in den 1960ern aus ihrer Sicht, die (natürlich) die stark autobiographisch geprägte Sicht der Autorin ist.

    In einer fast schon fragil zu nennenden poetischen Sprache erzählt die Zacharieva von den alltäglichen Problemen eines heranwachsenden Mädchens, den ersten Liebesverwirrungen, der schamhaften Entdeckung der eigenen Körperlichkeit, aber auch vom Alltagsleben in einem sozialistischen Staat. Dabei erleben wir alles aus Milas phantasievoller Sicht, die sich viele Dinge zusammenspinnt, die man ihr nicht erklärt (oder auch nicht erklären kann, weil man sie vielleicht selbst nicht versteht). Den Kalten Krieg zum Beispiel hält sie für einen echten Krieg und wünscht sich, in diesem Krieg als Partisanin zu sterben, so wie die von ihr verehrten Heldinnen Soja Kosmodemjanskaja und Rajna Popgeorgieva. Stattdessen muß sie für den sozialistischen Fortschritt (und damit sie die Schulbücher für das nächste Jahr bekommt) sieben Kilo Kamille pflücken. Dabei wird sie doch immer wieder abgelenkt von den Geräuschen, Gerüchen und der Schönheit des Dorfes, die so großartig geschildert sind, daß ich hier einen kleinen Ausschnitt zitieren muß:

    Ich klettere ins Geäst, das von weitem dicht und undurchdringlich aussieht und von nahem einem windigen Dach gleicht. Das Dach wie auf Säulen aus Kirschhaut, die Glieder der Äste bernsteinversiegelt. Die Nähe der einzelnen Früchte, die Berührung der kühlen, glatten Haut, deren Oberfläche den Nebel des Atems auffängt und sich feucht anfühlt, und jener Geschmack im Mund einen Winter lang ...

    Wunderbar ist auch, daß sie aus einer Familie von Geschichtenerzählern kommt. Wann auch immer sie mit Mitgliedern ihrer Familie zusammensitzt, werden Geschichten aus der Vergangenheit erzählt. So ersteht in diesem Roman nicht nur Milas Leben, sondern die Historie des bulgarischen Volkes bis in die Türkenherrschaft zurück.

    Es ist wirklich schade, daß man (zumindest laut Nachwort von Ariane Thomalla) bulgarische Autoren wie Rumjana Zacharieva, Blaga Dimitrova, Ljubomir Lewtschev, Christo Botev, Geo Milev und Nikola Wapzarow höchstens noch antiquarisch bekommt. Nun da die Wende 20 Jahre her ist, interessieren sich deutsche Verlage eben nicht mehr so intensiv für die einstigen sozialistischen Bruderstaaten. Also muß ich BookLooker & Co. bemühen, denn ich möchte mehr von dieser wunderbaren Prosa lesen!

  • Leben!

    Leben

    Fugui und Jiazhen überstehen turbulente Ereignisse in China, wobei sie von reichen Landbesitzern zum einfachen Landvolk absteigen. Der Spielsucht verfallen, verliert Fugui alles. In den folgenden Jahren wird er sowohl in die nationale als auch die kommunistische Armee gezwungen, während Jiazhen niedere Dienste verrichten muß. Sie gründen eine Familie und schaffen es, von den 40er bis in die 70er Jahre zu überleben ...

    Von Zhang Yimou kannte ich bisher nur die oppulenten Martial Arts Streifen "Hero" und "House of Flying Daggers", die beide ziemlich gut sind. "Leben!" ist da ganz anders. Und trotzdem nicht weniger gut. Zhang Yimou scheint einfach ein Händchen für ausgezeichnete Filme zu haben.

    Denn er schafft es hier, die chinesische Geschichte von den 1940ern bis zu den 1970ern zu erzählen, ohne dabei offensichtlich Position zu beziehen und ohne in Pathos zu verfallen. Stattdessen ist "Leben!" ein sehr stiller und besinnlicher Film geworden, der sich auf die Existenz einer einzigen Familie bezieht. Deren Glück und Leiden an und durch die chinesische Geschichte, ist ungeheuer anrührend.

    Der Film wurde von der chinesischen Führung nicht zur Vorführung freigegeben. Was zum einen verständlich ist, denn das Unglück, das über die Familie kommt, geschieht immer durch die kommunistische Partei oder kommunistische Funktionäre. Andererseits sind viele der kommunistischen Funktionäre ungeheuer menschlich gezeichnet. Es sind ganz wunderbare und hilfsbereite Menschen. Zhang Yimou wurde aus dem Westen für letzteres kritisiert. Was ich so gar nicht nachvollziehen kann, denn nur so läßt sich ein ambivalentes, ein vielleicht sogar ein wenig realistisches Bild der Geschichte vermitteln.

    "Leben!" kann ich jedem nur empfehlen, der ruhige und charakterstarke Filme zu schätzen weiß.

  • Lichter der Berührung

    LichterderBeruehrung

    Dragan Velikić entführt in seinem Roman in unterschiedliche Zeiten und Welten, die sich ineinander spiegeln. Meisterhaft und in einem dichten Gewebe aus poetischen Bildern verknüpft er die Geschichte der jungen Serbin Olga, die 1994 ins Wiener Exil flieht, mit dem Schicksal des Dichters James Joyce, der Anfang des vergangenen Jahrhunderts Dublin verläßt, um in Triest ein neues Leben zu beginnen.

    Dragan Velikić schafft es in seinem Roman "Lichter der Berührung" auf ganz zauberhafte Weise, zwei Exilantenschicksale zu verknüpfen. So verschieden die Hintergründe der Serbin Olga und James Joyce sind, so ähnlich sind sie sich doch auf eine ganz subtile Weise. Da ist die innere Unruhe, die beide verspüren, und die sie dazu treibt, die Stadt, in die es sie verschlagen hat, zu erforschen, zu durchstreifen, zu erleben. Beide fühlen sich in gewisser Weise verloren, beide suchen Halt und finden ihn ein wenig in Phantasien über eine andere Person.

    Aber Dragan Velikić zieht nicht nur diese Parallele. Tatsächlich verbindet er auch die beiden Charaktere miteinander. Denn James Joyce lernt in Italien Martha Coppeans kennen, die Großmutter von Rita. Und Rita ist die österreichische Frau von Tibor, dem Freund und Kollegen von Andrej, Olgas Mann. Martha ihrerseits kannte (wenn auch nicht namentlich und bewußt) Pavle, den Onkel von Olga, der während des Sozialismus in den Westen geflohen ist. Was hier wie eine schlechtere Version von GZSZ klingt, schafft der Autor tatsächlich zu einem eleganten Roman zu verschmelzen. Faszinierend zu beobachten und zu lesen!

  • Onkel Toms Hütte

    OnkelTomsHuette

    Der farbige Sklave Tom und seine Familie führen ein rechtloses Leben auf einer Farm im Süden der Vereinigten Staaten. Und trotzdem geht es ihnen noch besser als vielen ihrer Leidensgenossen. Denn der Farmer Mr Shelby ist ein guter Herr, der sich um seine Arbeiter kümmert und für sie sorgt.

    Doch dann gerät er in finanzielle Schwierigkeiten und ist gezwungen, Tom zu verkaufen. Toms Familie wird auseinander gerissen, und für ihn selbst beginnt ein Leidensweg, der in zu verschiedenen Besitzern führt.

    Harriet Beecher Stowes spannender und aufrüttelnder Roman ist ein inzwischen klassisches Plädoyer gegen den Sklavenhandel, das weltweit große Beachtung fand und wesentlich zur Abschaffung der Sklaverei in den Vereinigten Staaten beigetragen hat.

    Wenn man sich mit der afroamerikanischen Bürgerrechtsbewegung ein wenig beschäftigt, kann man schnell nachvollziehen, daß "Onkel Tom" von Malcom X und den Mitgliedern der "Black Panther"-Bewegung als Schimpfwort verwendet wird. Denn Harriet Beecher Stowes Titelheld ist wirklich gar zu duldsam und unterwürfig. Was aber vor allem damit zu tun hat, daß er ein Christ ist und als solcher duldsam und demütig ist. Und Christ ist er, weil Beecher Stowe selbst stark gläubig war.

    Trotzdem ist es natürlich unbestritten, daß "Onkel Toms Hütte" ein Buch ist, das sehr viel im Bewußtsein der weißen Amerikaner (und vielleicht sogar im Bewußtsein aller Weißer) verändert hat. Zum ersten Mal legt hier eine kleine, mutige Frau den Finger in die Wunde der Sklaverei. Und zwar einfach, indem sie eine spannende Geschichte erzählt, in der die schwarzen Sklaven, genau wie ihre weißen Herren als Menschen portraitiert werden. Für uns heute selbstverständlich, damals ein absoluter Tabubruch. Denn viele Weiße waren genau der Meinung, die ja auch im Buch mehrfach geäußert wird, daß Schwarze keine echten Menschen mit echten Gefühlen sind, daß sie stattdessen unselbständig sind, angeleitet und versorgt werden müssen, ja daß man ihnen mit der Sklaverei sogar einen Gefallen tut.

    Und dann sieht man in diesem Buch das erste Mal Schwarze leiden, sich heldenmütig benehmen, ja sogar sich im christlichen Sinne aufopfern für ihre Mitmenschen (Weiße wie Schwarze). Zum ersten Mal konnten so weiße Amerikaner mit dem Schicksal der Schwarzen MITleiden, mit ihnen mitfiebern, und ihnen einen guten Ausgang wünschen. Wohl auch ein erster Schritt hin zum Verbot der Sklaverei. Und damit zum ersten afroamerikanischen Präsidenten der USA.

    Es ist nicht verbürgt, daß Abraham Lincoln tatsächlich zu Beecher Stowe "Sie sind also die kleine Frau, die diesen großen Krieg verursacht hat" gesagt hat. Aber es ist durchaus wahrscheinlich. Und durchaus wahr. In diesem Bewußtsein sollte man dieses Buch unbedingt auch seinen Kindern vorlesen.

  • Der Herbst des Patriarchen

    DerHerbstdesPatriarchen

    Nachdem mir "Chronik eines angekündigten Todes" von Gabriel García Márquez so gut gefallen hat, bin ich mit großen Erwartungen an "Der Herbst des Patriarchen" herangegangen. Stattdessen war ich schon nach einigen Dutzend Seiten von dem Buch erheblich genervt. Dabei ist der Inhalt eigentlich ziemlich interessant, wie der Klappentext verrät:

    In seinem riesigen, verfallenen Palast wird die Leiche des großen Diktators entdeckt. In Gemächern, wo sich Reichtum und Macht und ein ganzer Hofstaat von Ministern, Leibwächtern, Dienern und Frauen entfaltet, entdecken Revolutionäre den verwesenden Körper. Die Gewaltherrschaft, dieser Fluch der lateinamerikanischen Staaten, hängt wie ein Spinnennetz aus Mythos und Realität über diesem Roman, dessen Sprachgewalt und verhaltener Zorn das jahrhundertalte Übel zu Fall bringen sollen. Die Mythisierung des Stoffes geschieht in kritischer Absicht: in der Karikatur, im schwarzen Humor spiegelt sich das Entsetzen. Der "unwirkichen" lateinamerikanischen Wirklichkeit, der Sprache der Propaganda und offiziellen Geschichtsschreibung, in der Tatsachen entstellt, Scheinerfolge aufgebläht, Schwächen vertuscht, Mißerfolge und ungeheuerliche Untaten verschwiegen oder geleugnet werden, ist nur noch mit dem Stilmittel der Übertreibung beizukommen. Der Diktator ist eine Bestie, ein Monstrum, das in seinem "Alptraumreich" über fünf Generationen ununterbrochen geherrscht hat. García Márquez zeigt Allmacht und Schwäche einer Staatsmacht, die den Mangel an Legitimität mit Gewalt und mit Launen von unausdenkbarer Grausamkeit kompensiert.

    Vor allem aber stellt García Márquez den Diktator tatsächlich im Herbst seines Lebens dar, wie schon der Titel des Romans verrät. Man erlebt ihn extrem heruntergekommen, wird Zeuge seines äußerlichen und innerlichen Verfalls. Das ist wirklich faszinierend, genau wie die kreative und blumige Sprache des Autors.

    Was mich aber wirklich, wirklich, wirklich genervt hat, war die Struktur des Buchs. Ewig lange Sätze, keinerlei Absätze innerhalb der riesiglangen Kapitel. Die Handlung dreht sich ständig um sich selbst und wiederholt sich. An sich nicht unbedingt etwas Schlechtes, eigentlich mag ich diese nicht so konventionellen Erzählweisen sogar. Aber in Kombination mit den Monsterwurmsätzen war das einfach nur noch unerträglich. Ich mußte mich wirklich durch das Buch quälen und werde jetzt erst einmal eine Pause von García Márquez' Werken nehmen.

  • Pickpocket

    Pickpocket

    Michel begeht als Hobby Taschendiebstähle und wird umgehend verhaftet. Dies gibt ihm die Möglichkeit, über die Sittlichkeit von Kriminalität nachzudenken. Nach seiner Entlassung stirbt jedoch seine Mutter. Er lehnt die Unterstützung seiner Freunde Jeanne und Jacques ab und fängt, nachdem er Unterricht bei einem Fachmann erhalten hat, wieder mit dem Taschendiebstahl an, denn dies ist für ihn der einzige Weg sich auszudrücken ...

    Es gibt sehr gute französische Filme, ich habe schon einige gesehen, die mich einfach nur umgehauen haben. Aber die, für die sich die SZ-Redaktion entschieden hat, sind irgendwie alle ... blöd. Auch "Pickpocket" ist da keine Ausnahme.

    Gut, er ist nicht so grauenhaft wie "Die Verachtung", man kann ihn sich anschauen, ohne daß man körperliche Schmerzen erleidet. Aber er ist auch nicht überragend. Tatsächlich ist er irgendwie völlig belanglos. Es passiert nichts auch nur ansatzweise überraschendes oder interessantes. Man könnte es sich also auch sparen den Film anzusehen. Völlig und total sparen.

  • Schlaf

    Schlaf

    "Es ist der siebzehnte Tag ohne Schlaf." So beginnt Haruki Murakamis Erzählung von einer Frau, die nachts kein Auge mehr zumacht. Aber es fühlt sich anders an als die quälende Schlaflosigkeit, die sie als Studentin erlebt hat: Jetzt ist sie auf zauberhafte Weise nicht mehr müde. "Ich kann einfach nicht schlafen. Noch nicht einmal ein Nickerchen."

    "Schlaf" ist keine neue Geschichte von Haruki Murakami und auch nicht unbedingt seine beste. Aber in dieser Ausgabe, die der DUMONT Verlag herausgebracht hat, ist es sicher mit Abstand seine ästhetischste.

    Dieses Buch ist so schön! Das beginnt schon bei der Silberprägung des mattblauen Umschlags, oder generell damit, daß der Umschlag eben nicht glänzend sondern matt ist (auch wenn ihn das empfindlich macht). Blau, Silber und Weiß beherrschen auch den Inhalt des Buches, die Seiten haben einen leichten Silberschimmer und die Schrift ist dunkelblau. Und dann die wirklich großartigen Illustrationen von Kat Menschik ... Wahnsinn!

    Am liebsten möchte ich dieses Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, so toll gestaltet ist es! Aber die Geschichte selbst ist auch großartig, typisch Murakami, etwas surreal und ganz und gar nicht mit Happy End. So mag ich ihn! Und ihn dann auch noch in einer solchen "Verpackung" serviert zu bekommen, das ist das sprichwörtliche Tüpfelchen auf dem i.

    Kaufen!

  • Eine Kiste explodierender Mangos

    EineKisteexplodierenderMangos

    Was führte zu dem mysteriösen Flugzeugabsturz im August 1988, bei dem der Militärdiktator Zia ul-Haq, mehrere seiner Generäle und der US-Botschafter ums Leben kamen? Aus dieser bis heute offenen Frage in der pakistanischen Geschichte entwickelte Mohammed Hanif eine brillant erzählte Satire, in der mehrere Mordkomplotte - inklusive einer boshaften "Mango-Theorie" - bis zur letzten spannungsreichen Seite um ihr Angriffsziel ringen.

    Ja, Mohammed Hanif hat mit "Eine Kiste explodierender Mangos" wirklich ein Meisterwerk geschaffen, mit dem man sich von der ersten bis zur letzten Seite amüsiert. Es ist eine böse Satire, in der wirklich jeder sein Fett bekommt. Das pakistanische Militär (das Hanif als ehemaliger Pilot der pakistanischen Luftwaffe aus dem Effeff kennt), der pakistanische und amerikanische Geheimdienst, die islamischen Mullahs, die amerikanischen Diplomaten und nicht zuletzt die vielfältigen Beziehungen, die von den Amerikanern zu den afghanischen Taliban und anderen islamistischen Kräften unterhalten werden (denn wer OBL ist, der auf der Party des amerikanischen Diplomaten herumhängt, sollte jedem klar sein).

    Aber nicht nur als Satire ist das Buch großartig, sondern auch als Roman selbst ist es spannend. Mit Ali Shigri hat es einen ungeheuer sympathischen Helden (und sein Freund Obaid ist auch extrem süß), den man einfach nur als Gewinner sehen möchte. Der Wechsel zwischen seiner rückblickenden Ich-Erzählsicht und verschiedenen Er-Erzählsichten, die sich in der Hauptebene der Geschichte bewegen, macht den sowieso schon interessanten Plot noch temporeicher. Und es ist wirklich witzig zu sehen, wer so alles wie den Diktator umbringen will. Das sollte man nicht verpassen. Und sich dabei immer vor Augen halten, daß das alles irgendwie so auch passiert ist.

    Nur ein wirklich kitschiges Happy End für den guten Ali Shigri, das hätte ich mir echt gewünscht ...

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